Wie schon an anderer Stelle zu lesen, liegen wir gut aufgehoben bei Ralph von Bargen in Freiburg an der Elbe ( gleich neben Wischhafen) in der Halle. Relativ spät kam Relaxis dort an - bedingt durch den langen witterungsbedingten Aufenthalt auf Borkum im Oktober/November 2002. Laufende überstarke Ostwinde, teilweise mit Orkan, machten die letzten 100 sm lange Zeit unmöglich.


Im Dezember wurde die Yacht dann abgeriggt, gereinigt und in die Halle geschoben - eine Menge Arbeit wartete auf uns, wollten wir doch den Winter dazu nutzen, die zwar per se hochseetaugliche Yacht noch zu ergänzen und für lange ( große) Fahrt fit zu machen.

 
 

Und wieder ging nichts - die über lange Wochen eisigen Temperaturen ließen bestenfalls Finger und Wasser erstarren und so konnte die Zeit nur genutzt werden, alle notwendigen Materialien heranzuschaffen.

Zumindest dies gelang zeitgerecht, bestens unterstützt vom Hause von Bargen und seinen Helfershelfern, allen voran Alfred Radvan, der mit dem vornamensgleichen "Ekel" aus der früheren Fernsehserie so gar nichts gemein hat, ein hochkompetenter und verantwortungsbewusster, einfach netter Kerl ist, vor Ort in seinem Selbstverständnis die Stelle des Skippers vertrat und dabei auch viele Arbeiten als ehemaliger Schiffsingenieur auf großer Fahrt im technischen Bereich ausführte.

 
So erhielt durch ihn die Maschine (110 PS VolvoPenta) die ihr zustehende Pflege; das Ruder eine neue Dichtungspackung und gleich wurden auch noch Diesel- und Wasserfilter an eine besser zugängliche Stelle verlegt. Alfred sorgte auch dafür, dass durch stoßweise Beheizung bei größeren Außentemperatur-schwankungen keine Feuchtigkeit und kein Schimmel im Inneren entstand - kurz und gut, er erwies sich als die gute Seele der ganzen Aktion!
 

Mit Ralph von Bargen standen wir ebenfalls in laufendem Kontakt - Emails und Handies liefen heiß und in klassisch norddeutscher Manier hielt er sein Wort, das er "lässig" mir gegenüber gab, als er beim Kauf der Yacht - schließlich sind wir über ihn bzw. sein Unternehmen seinerzeit fündig geworden - gab, als ich ihn in Hindeloopen(NL) auf unsere Vorhaben und Ziele aufmerksam machte: " Das geht bei mir; da helfe ich Ihnen gerne; ich hab da auch `nen Winterlagerplatz mit der Möglichkeit, zu arbeiten und wenn Sie was wollen oder brauchen, sprechen Sie mich an!" Elektriker, Radar, Fallen, Handwerker usw. vermittelte und besorgte er, das eine oder andere Teil stammt aus seinem Fundus!

 
Aber wie gesagt: erst einmal lief gar nichts - außer vielleicht die Nasen oder die Geduld davon, denn so eine segellose Zeit ist, wie jeder Betroffene unschwer nachfühlen kann, schrecklich!
Da stapeln sich so langsam aber sicher die Materialien, man hat alles plastisch vor Augen, sieht bei jedem "Trumm" selbiges schon an seinem Platz und in Funktion und, und, und ………….. nichts als Pause und jeden Tag die Erkenntnis, dass immer mehr Eisbildung, wenn's denn so weitergeht, auch noch den plangerechten Start auf und in die Ostsee verzögern wird.
Noch gut habe ich in Erinnerung, wie in den 90-ern man lesen konnte, dass Weiland die Gorch Fock in Kiel selbst Ende April nicht auslaufen konnte und anschließend auch noch Eisbrecher spielen musste!
 
Doch ganz so schlimm sollte es nicht kommen - Alfred war mit den Arbeiten an der Maschine im wesentlichen um die Weihnachtszeit herum fertig, nervte ( "ganz im Sinne des Skippers") alle Beteiligten vor Ort, wann es denn nun weiterginge und wann denn nun wer komme; der Skipper arbeitete derweil im Office und fertigte in der Freizeit die Törnplanung 2003, als es relativ abrupt mit dem Winter zu Ende ging.
 

Am Faschingswochende 2003 wurde das Auto vollgeladen mit allem, was sich mittlerweilen im Binnenlande für die neue Saison und das Refit an Ausrüstungsgegenständen so angesammelt hat, die "Beste aller Ehefrauen" wurde eingepackt, vorher ein Zimmer bei "Eugen Block" in Hamburg bestellt und ab ging die Post!

 

Wir kamen einerseits gut voran - alles fuhr nach Süden zum Skiing; andereseits duschte es bis nach Hannover aus Kübeln! Fängt ja gut an!!!
Dann plötzlich Sonne, blauer Himmel, Urlaubsstimmung - um in dickem Nebel und Niesel in Hamburg überzu-gehen! Sch…!!
Zusätzlich "Samstagmittagshauptverkehrszeitschlangen
und -stau bei und vor Stade" - typisch für die Gegend, denkt sich der Bayer, um gleich mal eben abzubiegen in die "Wallachei" (sprich: absolute Nebenstrassen, gut "geschützt" vom Deich, zumindest normalen "ausländischen Autofahrern" gänzlich unbekannt und daher stauverschont! Menschenkindern wie uns aber nach
10 Jahren Elbmarsch wohl vertraut - irgendwas geht da immer weiter und führt nach Norden - manchmal vielleicht nicht ganz so gerade - aber es klappt schon!!!)


 
 

So kamen wir einigermaßen pünktlich am Ortseingang von Freiburg an; dort erwartete uns Ralph von Bargen
(Alfred Radvan war schon am Schiff - wahrscheinlich um den Skipper vor dem größten "Schock der Baustelle" mit rechtzeitig ordnender Hand noch zu bewahren) und "zog uns mit".

Ausladen!!

Die "Beste aller Ehefrauen" blieb wohlweislich beim bzw. ganz schnell im Auto (da war's wohl doch ein bischen wärmer) und ließ uns "schuften"!

Typische Segler - Emanze!

Oder ganz Lady!?

Naja - steht ihr auch zu - ohne "Wenn" und "Aber"!

 

 

 
Und der Skip? Den traf der Schlag! `Ne richtige Baustelle - mit allem Drum und Dran! Eigentlich wusste ich das ja - aber ein bischen anders hatte ich mir das schon optisch vorgestellt! Denn jeder hat ja so sein eigenes Arbeitssystem - und das war nun mal gar nicht das meine!
 
Auf den zweiten Blick allerdings erkannte ich allerdings sofort "System" hinter dem ganzen Chaos und schnell reduzierte sich mein inneres Erstaunen auf die Tatsache, wie traurig so ein Schiff doch aufgepallt, abgeriggt und -logischerweise - unfertig aussieht.
 
Es ist einfach nicht in seinem Element - ob uns die Fische beim Schwimmen oder Tauchen wohl ähnlich empfinden?
 
Langer Rede kurzer Sinn - es hatte natürlich alles seine Ordnung und nach gut einer Stunde war vor Ort alles ausgeladen und besprochen, was dort zu besprechen war. Es war Kaffeezeit, um in wärmerer Umgebung die Arbeitslisten noch mal durchzugehen usw. .
 
Das war ein Entschluß!
 
Man finde mal an einem Samstag Anfang März um ca. 1500Uhr da oben im "Alten Land" `ne offene Kneipe oder so was! Sollte ja eigentlich kein Problem sein - denkste!!
 
 
Lokal 1 : Tür offen, Wirtin da!
"Habt ihr offen?" ( blöde Frage, war doch offen!)
" Nein - es ist offen, weil wir auf (Haus-) Gäste warten!!" ALSO ZU!
Lokal 2:

5km Fahrt mit den Autos - alles steigt aus - Leute im Lokal!!! Aha!!!!
Tür zugesperrt!!! Geschlossene Gesellschaft!!!
(Hätte besser "geschlossene Tür" geheißen!)

Also wieder zurück!

 

Lokal 3 : (wenigstens gibt es Alternativen!)
Ergebnis: "Heute Ruhetag!!"
   
JETZT ABER!! Tatsächlich und warum nicht gleich - Nr. 4 ist einrichtiges Hotel und hat sogar offen - gerettet!! Kaffee, Kuchen, Tee und Wasser - alles da! Sogar `n Aschenbecher! Gute Voraussetzungen, um in Ruhe " zu schnacken" und die Listen durchzugehen. ALSO:
 
"Gewerk" Elektrik:

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Neues Radar mit integriertem GPS - Plotter von Raytheon ( Raymarine) mit Overlayfunktion; dabei werden keine zwei Schirme, sondern ein Wechselschirm für den Gebrauch sowohl innen als auch außen installiert. Antenne kommt auf den Besan;
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Zwei neue Hupen werden installiert - jeweils am Groß- und Besanmast mit Bedienung von außen und innen;
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Der bereits installierte GPS-Plotter am Navitisch muß auf eine Dauerstromklemme umgeklemmt werden, da er sonst immer mit "Kaltstart" loslegt;
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Drei neue Innenraumbatterien à jeweils 165AH müssen eingebaut und installiert werden;
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Die Antenne vom Navtex muß am Großtop eingbaut und angeschlossen werden;
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Die gesamte Elektrik wird gecheckt - jeweils zwei zusätzliche Rotlichtlampen ("jetzt wird`s gefährlich!!") zur bereits vorhandenen Beleuchtung werden am Kartentisch und am Segelstand angebracht;
 
"Gewerk Holzwurm":


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Das gesamte Holz im Außenbereich wird abgeschliffen, restauriert und neu eingelassen. D.h.: Fußreling, Ruderhaus, Bugspriet und Handreling komplett überarbeiten, vorher alle Beschläge demontieren, alles wieder zurück usw.;
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Die Vorschiffskajüte erhält eine zweite Tür (wie in der Heckkajüte), damit das dort lebende Seglervolk ungestörter schlafen und werkeln kann;
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Rumpf und Überwasserschiff werden poliert und versiegelt, das Unterwasserschiff mit VZ… (ostseegerecht) neu gestrichen;
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Annoden wechseln, Schraube und Welle polieren, Bugstrahl dto.!
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Eine neue Segelbank (handgefertigt aus Teak und Mahaghoni, leicht aber stabil, von meinem Yachtfreund Robert Nürnberger - Europe Marine in Mainz Budenheim - ein Traumstück (nicht der Robert, sondern die Kiste!)) wird mit variablen Befestigungen am Popdeck und am Vorschiff, je nach Bedarf , stehen;
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Ein neues großes Außensteuerrad wird installiert - lederummantelt mit ner Persenning aus der Segelwerkstatt Stade - und deshalb werden die bisherigen Segelbänke entsprechend verstellt;
- Die hintere Reling wurde um rd. 25 cm höher gesetzt, indem die vorhandenen Relingsstützen (VA) einfach verlängert wurden ( Handwerker vor Ort - super - man sieht nichts!).Dementsprechend wurde - wieder von der Segelwerkstatt Stade - die Spritzpersenning durch ein dunkelblaues Farbband , mittig sitzend, verlängert - so ersparten wir uns eine komplette Neuanfertigung des gut sitzenden Tuches und taten zudem was für die Optik!
-
Zudem erhielt Relaxis einen Heckspriet von Nauticat in der üblichen massiven Ausführung ( "damit die Beste aller Ehefrauen später im Mittelmeer leichter ins Wasser zum Schwimmen kommt");
 

"Gewerk Alfred Radvan und Ralph von Bargen"


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Gasdruckprüfung und neue Flaschen besorgen;
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Alle Fallen austauschen und einziehen;
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Zusätzliche variable Rückenpolster für die Segelbänke in VA mit Auflage;
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Großfall alternativ zum Umlenken vom Achterdeck aus verlegt;
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Montage von zwei zusätzlichen Winchen;
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Diverse Regale im Inneren ("vom Flaggenalphabet zum Tassenregal");
- Zusätzliche Mastwinchen am Besan;
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Schriftzüge austauschen/Generalreinigung usw.;
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Wartung incl. Aus- und Einbau der Eberpächerheizung;
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usw., usw., usw.
 
Alle Kleinigkeiten aufzuzählen, würde hier den Rahmen sprengen. Relaxis bekam noch`nen Blister (Segelwerkstatt Stade) und eine Vorsegelpersenning spendiert und zudem "Gesellschaft" in Form eines Schlauchbootes (Zodiak 340 FR) nebst 15PS-Außenborder!
 
Gegen 1700Uhr war alles im Detail geregelt - die Termine standen, die "Klarheiten" endgütlig beseitigt und wir machten uns nach herzlicher Verabschiedung auf den Weg nach Hamburg. Natürlich über die Fähre Glückstadt, denn ein bischen "Bootfahren" musste nun sein!
 
Ganz eigenartige Spätnachmittagstimmung auf der Elbe an ihrer nicht gerade schmalsten Stelle - eigentlich schien die Sonne, aber der aufkommende Abend und der sich bildende Nebel waren, unterstützt jetzt auch von einigen Wolken, stärker und so war - in diesigem graulila, leicht lichthinterflutet - bei ganz ruhigem Wasser (zudem war gerade Niedrigwasser) eine ganz entspannte Atmosphäre spürbar! Ab und zu tauchten aus dem Dunst die Silhouetten eines großen Pottes auf - ohne Radar keine Chance, die Dinger beim segeln und solchen Lichtverhältnissen rechtzeitig zu sehen!
 
Am nächsten Morgen, nachdem wir im Elysee wie immer gut gewohnt, gegessen und getrunken, tief schürfende Gespräche geführt und ausreichend "Leute geschaut" hatten, musste es natürlich - wie immer - als erstes der Hamburger Hafen sein!
 
 
Ein Besuch in Hamburg, ohne in den Hafen zu gehen
(Fischbrötchen obligatorisch), ist bei mir einfach nicht denkbar - die "Beste aller Ehefrauen" beugte sich "resignierend kopfschüttelnd ihrem Schicksal" (obwohl - auch bei ihr war das Fischbrötchen "ratzfatz" weg!) und wir genossen, wenn auch bei eisigem Wind, wieder mal für einige Minuten die Eindrücke der Landungsbrücken, ein bischen Fernwehgefühl, die Stimmung, das ganze Drumherum!
 
 
Danach gings - wie könnte es ebenfalls anders sein - in die Innenstadt zu einem Bummel ins Hanseviertel und all die anderen neuen Passagen. War Hamburg für mich schon immer lebenswert, so wird die Stadt langsam immer schöner. Das beginnt schon in der Speicherstadt und den dortigen großen Umbau- und Revitalisierungsarbeiten und -vorhaben und hört eben in den neu gestalteten Passagen an der bzw. rund um die Alster auf!
 
 
Mit einer Rundfahrt durchs Marschland, vorbei an unserem " alten" Haus, wo wir in der Nähe von Winsen/Luhe fast 10 Jahre verbrachten, beendeten wir unsere Tour - auf leerer Autobahn und mit leerem Auto gings zurück ins Binnenland - seitdem zähle ich die Tage bis zum Palmsonntag. Denn dann ist Relaxis, zusatzgerüstet für lange Fahrt, wieder in ihrem Element und an Ostern werden wir ab Cuxhafen auf "Nordkurs" gehen. Über den NOK, dann Laboe, Maasholm, Kolting, Aarhus, die Inseln Anholt und Laesö werden wir auf unserem Törn nach Göteborg anlaufen - mit Berichten und Bildern könnt ihr uns begleiten!