RELAXIS auf dem Heimweg
Nicht drei, sondern fast vier Wochen lag "RELAXIS" wohlbehütet in Linköping(S), bis sich ein Häufchen verwegener Österreicher " leise und von der Öffentlichkeit unbemerkt" unter der Führung unseres bewährten "Multifunktionsmatrosen" Hanno, der somit auf ebenso geheimnisvolle Weise zum Skipper mutierte, auf den Weg machte, um die Yacht heimzuführen.

So traf man sich an einem Montag im Juli 2003 irgendwann in Stockholm(S) auf dem Flugplatz, um dann mit Zug und Taxi gegen Abend im "Segelbatsham" in Linköping(S) zu landen. Wer nun gedacht hätte, man macht es sich erst einmal gemütlich, sah sich grundlegend getäuscht! Als ob tausend Klabautermänner hinter ihnen her wären, legte die Crew nach kurzem Check ab und " düste" los in Richtung der letzten 30 Kanalkilometer, die noch auf dem Götakanal(S) zu absolvieren waren, bis RELAXIS  wieder die freie Ostsee, diesmal dann jedoch auf der ostschwedischen Seite erreicht hatte.

Der Grund für diese Eile: man hatte sich die knapp 400sm bis Stralsund(D) - denn dorthin sollte RELAXIS nun verbracht werden - auf nur eine Woche, genauer gesagt vier Tage ( nämlich von Dienstag bis einschließlich Freitag, da am Samstag wieder die Flieger gingen), verteilt und da zählte offensichtlich jede Stunde. Es waren zwar eigentlich mal zwei Wochen von Hanno für diesen Törn eingeplant, der zugleich nach den Vorstellungen des nun so unauffällig zum Jungskipper beförderten lieben Freundes sein Sommerurlaub hätte sein sollen - aber da spielten wohl im wesentlichen die Ehefrauen/Lebensgefährtinnen seiner Crew nicht ganz mit! So lange wollte und/oder konnte man offensichtlich nicht auf seine jeweils bessere Hälfte verzichten und so wurde - nur unter Aufbietung allen Verhandlungsgeschickes - dieses kurze Zeitfenster errungen!

Natürlich wollte man auch noch "Sightseeing" und möglicherweise "Baden"  in dieser "schier unendlichen Zeitspanne" unterbringen - 400sm Ostsee, was ist das schon für "an richtigen Austrianer"!!

Was soll ich sagen - zuverlässig und multibegabt, wie dieses "Völkchen aus dem Lande der hohen Hügel" nun mal ist, haben sie's natürlich geschafft! Genau 4 1/2 Tage später, am Samstag morgen, lief man in die Nordmolenmarina von Stralsund(D) ein! Wohlbehalten, etwas müde zwar, aber im Grunde genommen fit! Die Reise führte über Mem(S) als Endstation des Götakanals(S) auf der Ostseite durch den Slätbakensund(S) und von dort - etwas durch die außengelagerten Schären - nach Süden. Die Insel Öland(S) wurde in einer Nachtfahrt an Steuerbord, also westlich, liegen gelassen und nach dem Auschecken aus dem Götakanal(S) war Karlskrona(S) im östlichen Südschweden der nächste größere Anlaufpunkt. Nach Sightseeing und Restaurantbesuch gings dann am späten Freitagvormittag los zur letzten Etappe (Ziel:  Stralsund/D), wobei nun Bornholm(DK) an Backbord liegen gelassen wurde und man vorbei an Hiddensee(D) auf die alte Hansestadt zulief! Alles paletti! So einfach geht das!

ÜBRIGENS: Seit diesem letzten Nachttörn streichelt der Hanno jedes Mal, wenn er an Bord ist und wir ablegen, unser Raymarine -  Radar ( mit Plott-, Radaroverlay- und Marpafunktion) mit den Worten         "liebes, schönes Gerät", denn über die Kadettrinne nachts war wohl doch bei diesigem Wetter und Seegang so viel Schiffsverkehr, daß er überzeugt davon ist, daß ihm diese Technik " das Leben gerettet oder zumindest gesund erhalten hat"! Wird wohl so sein!! Und zur Reparatur des Ankerlichts im Top des Großmastes nach der Ankunft in Stralsund(D) hat's auch noch gereicht!

         
       
Eine Woche später - Anfang August 2003 -  übernahm ich dann wieder selbst das Schiff, um zusammen mit "der Besten" und einigen Freunden - die haben eine gut ausgestattete 40-Fuß-Flybridge-Motoryacht - ein paar Tage zu verbringen und dabei RELAXIS nach Neustadt/Holstein(D) zu steuern.

UND DA WAR SIE, DIE BESCHERUNG: wir kamen abends bei schönstem Wetter und wohlgelaunt in der Nordmolenmarina von Stralsund(D) an Bord und auf den ersten Blick passte alles!

Aber nur auf den Ersten!

Haben doch diese Austrianer alle Leinen, Tampen und Fallen an Bord irgendwie mit Bergsteigerseilen verwechselt - jedenfalls nehme ich die erste Leine in die Hand, will sie öffnen - Wuhling!! Die Zweite - wieder Wuhling! Und so stand ich da - schräg gegenüber fand auf einem größeren, zum Freilufttheater umgebauten Frachter die Aufführung von "Zar und Zimmermann" statt und ich schoß Leinen auf..... ohne Ende! Wenn ich da den Hanno erwischt hätte!!!!

Naja - nach gut drei Stunden war ich fertig und hatte alles, was laufendes und loses Gut an Bord ist, neu klariert! Bei wunderschöner Operettenmusik, sommerlichen Temperaturen und zwei Bier! So war's dann noch halbwegs erträglich!

Am nächsten Morgen stand "Klar Schiff" auf dem Programm und ab ging die Post Richtung  Warnemünde (D) - allerdings mit Fluchtstart!! Denn gerade. als wir so gemütlich vor uns hin werkelten, kam der Hafenmeister und verdeutlichte uns, daß die Marinaausfahrt gleich wegen eines Motorboot-Grandprix gesperrt würde und wir dann erst am späteren Nachmittag auslaufen könnten.  Also nix wie raus!  Alles andere kann ja auch auf See erledigt werden, zumal wir ohnehin erst mal zwei Stunden "motoren" vor uns hatten, bis wir querab Hiddensee(D) Segel setzen und Kurs Rostock(D) nehmen konnten.

 
Im "Alten Strom" - so nennt sich der Yachthafen von Warnemünde(D) - trafen wir dann unsere Freunde, die uns, vom Darss (aus Barth)kommend, unterwegs natürlich überholt hatten und somit schon einige Bierchen voraus waren. In bester Stimmung verbrachten wir nach gutem Essen den Abend auf der Flybridge der "NaDa" - das Ambiente der kurz bevorstehenden "Hansesail" brachte zudem ein besonderes Flair in den Hafen und gerade die relative Enge des "Alten Stroms"  versieht diesen Hafen mit dem Duft der fernen See und macht ihn dabei so gemütlich!

Am nächsten Tag suchten wir erst mal über eine Stunde vergeblich eine Tankstelle, um mal wieder richtig Diesel zu bunkern - dies hatte zwar den Vorteil einer ausgiebigen Hafenrundfahrt, bei der wir auch auf den alten "Zwölfer" der Segelkameradschaft Ostsee, die "Anita", stießen, war aber zunächst relativ erfolglos und schließlich fanden wir die ersehnte Zapfsäule keine 50m von unserem Nachtplatz entfernt!Da war wohl eins der Rotweingläschen vom Vorabend auf die Augen gegangen!

Danach stoppte uns eine plötzlich herein ziehende dichte Seenebelbank und um 1200 Uhr ("high noon") ging's dann ab nach Travemünde! Null Wind - Jahrhundertsommer - Motor an - Hängematte auspacken, am Vorstag und der Oberwant befestigen - Autopilot ein ( "Max"  lief plötzlich wieder ohne mucken) - fertig -  SIESTA!!!!!

Um 1900 Uhr hatten wir die Strecke hinter uns und lagen direkt am "Kaisersteg" in Travemünde(D) und somit "mitten im Leben"!

Und kein Mensch glaubt, wie schnell "die Beste" über einen Bugspriet, der sonst" immer zu hoch" ist, behende und ohne jegliche Probleme klettern und die Yacht vertäuen kann!! Das Geheimnis dieser sportlichen Höchstleistung?? Auf der Motoryacht, die selbstverständlich wie immer vor uns da war, gab's als Sundowner meist Champus - dies hatte " die Beste" ganz schnell spitz bekommen und als tiefe Freundin dieses erfrischenden Perlweins war sie jeweils wie eingeölter Blitz bei unseren Freunden an Bord! Und wenn dann der verantwortungsvolle Skip, völlig erschöpft vom seegerechten aufklaren der Yacht, "Lichtjahre später und mit letzter Kraft" nachkam, wurde ihm schon fröhlich zugeprostet!!

Und die Moral aus der Geschicht? Unproblematische Anlegemanöver sind offensichtlich insbesondere dann zu erwarten, wenn man ( rechtzeitig) jemanden findet, der auf den Steg vor die ausgewählte Box der REALXIS so 'n Fläschchen Perlwein stellt!!

 
Am nächsten Tag stand eine ausgiebige Stadtbesichtigung in Lübeck(D) auf dem Programm - mit besonderem Inhalt, waren doch zwei unserer Begleiter dort gebürtig. So erhielten wir naturgemäß "spezielle Aufklärung" - für 'n Paar aus dem "finsteren Bajuwarien" natürlich besonders lehrreich!!

Von Travemünde(D) aus gings dann auf einen Kurzstopp nach Neustadt(D) - Lage erkunden - und von dort aus weiter nach Fehmarn(D). Diesen hafen kannten wir gut, waren wir dort nicht nur mit unserem letzten Schiff auch schon gewesen. Darüberhinaus waren wir dort "in unserem früheren Leben" jahrelang am Wochenende zum Starkwindsurfen gewesen und so fühlten wir uns wie zu hause! "NaDa" lief zwischendurch noch Heiligenhafen(D) an - offensichtlich um sich während des Wartens auf einen solch langweiligen Segler die Zeit zu vertreiben - und traf so das erste Mal " nach uns ein"! Kein Champus bei der Ankunft! Aber in Burg auf Fehmarn (D) ist's einfach schön - die deftige Küche stimmt und die Preise auch noch!

Am nächsten Tag trennten wir uns - "NaDa" lief in aller Herrgottsfrüh aus in Richtung Darss und wir machten es uns noch einen Tag gemütlich, um dann nach Neustadt/Holstein(D) in die Ancora-Marina zurückzulaufen, wo wir, wie gesagt, den Rest der Saison und das Winterlager 2003/2004 verbringen.

Gut 1600sm hatten wir in 2003 zurückgelegt - und alles ohne Pannen! Bis auf "Max", unseren Autopiloten! Der wußte immer noch nicht, ob oder ob nicht....

So ließ ich in Neustadt(D) einen Elektriker kommen - und nach Bezahlung eines kleinen Obolus' sollte alles klar sein ("Wackelkontakt"!!) Denkste!! An den sich anschließenden nächsten Wochenenden, wo ich ein wenig in der Neustädter Bucht(D) kreuzten und mit den Buben in unterschiedlicher Besetzung ein paar Meilen verbrachte, war alles klar! Bis Hanno kam und wir zusammen - unser dritter Mann fiel wegen plötzlich einsetzender "höherer Gewalt" ( immer diese Ehefrauen...) aus - über meinen Geburtstag ein paar letzte Meilen für dieses Jahr aufs Log bringen wollten. Stolz führte ich den reparierten "Max" vor..... und der bog einfach ab!!! DENKPAUSE!! Nochmal Denkpause!! Dann:" Hanno, wo hast Du die Coladosen verstaut?""In der Backskiste in der Messe, vordere Bank" kam es prompt! 

Und da war des Rätsels Lösung!!

"Max" war gar nicht kaputt - er hatte auch nie 'nen Wackelkontakt! Vielmehr waren wohl bereits zu Beginn der Saison dem Fluxgatekompass ( den ich übrigens immer vergeblich - da Tomaten auf den Augen -  suchte und der nun in genau jener Backskiste prall und schön vor mir lag) einige Dosen ab und zu zu Nahe gekommen! Das erklärte auch, daß "Max" mal funktionierte und mal nicht - nämlich immer dann, wenn die "Smutjes" oder "die Beste" ( oder der Skipper) nichts ahnend in der Kiste wühlten und umräumten!!

ALLES KLAR? So geht's eben auf See - bei aller Umsicht und Erfahrung stellt man sich einfach manchmal "deppert an", wie meine "Austrianer" zu sagen pflegen! Und damit auf 'ne Handbreit Wasser unterm Kiel für 2004!!

PS: ....und er heißt weiterhin "MAX" - einfach so! Zur Erinnerung!