Im Mittelmeer

 

Hallound hergehört - hier die erste Meldung von der S/Y Relaxis, die nunmehr, früher als geplant, die Wogen des Mittelmeers durchpflügt und mit ihrer schnellen Fahrt vom „Nordmeer“ ins Mittelmeer sogar die Rennyacht meines Freundes Thomas Kurzmann – immerhin eine VO 60 -  abgehängt
hat... - denn wir waren als erste mit dem Kiel im Med-Wasser!!!

Naja - auf dem Truck geht’s halt schneller als auf eigenem Kiel außen herum!!

Spaß beiseite – nachdem wir nach nicht wenigen Tagen und Wochen nun endgültig die Nase voll hatten vom „Ölzeugsegeln“ fassten wir kurzerhand den Entschluss, den Zeitpunkt der Fortsetzung unserer Reisen, nun durchs MED, vorzuziehen. So segelten wir nach dem Auschecken in der Ancora Marina (Neustadt/Ostsee - D) über Maasholm(D) nach Schleswig (D), hoben die Yacht aus dem Wasser, strichen das Unterwasserschiff noch mal und ab ging’s huckepack auf einem Truck der Fa. Schrievers (kann ich nur empfehlen!) nach Südfrankreich.

Wir selbst kamen am 06.August 2004 (Freitag)nach nur 8 1/2 Stunden Fahrt in Port Napoleon(F)an - Relaxis war um 14ooUhr ins Wasser gegangen und lag am Ausrüstungskai.

Am Samstag (07-08-2004) riggten wir und nach rund 11 Stunden Arbeit war bis auf die Elektrik alles paletti!! Irgendwelche Blitzmerker (bei uns sagt man: Deppen) in Schleßwig(D) - so gut sonst alles klappte - hatten gerade am Besanmast alle Drähte durchgezwickt, was besonders das Radar samt Plotter in Mitleidenschaft zog. Das hielt uns jedoch nicht von einer ausgiebigen „welcome-party“ ab, zu der dann auch Cris und Susi, die das Auto nach Frejus brachten und mit dem Zug zurückkamen, stießen.

Am Sonntag morgen half uns ein professioneller Weltumsegler (Elektroingenieur – Glück muss man haben!) aus Australien auf die Sprünge - netter Kerl und guuuut!!! Er stand um 8 Uhr auf der Matte und nach zwei Stunden war alles fachmännisch repariert.

Die Crew (Florian, Christopher und Susi) konnten sich um 10Uhr aus ihren Kojen erheben!!!!

Um 12Uhr checkten wir aus - Kurs Marseille! Sch… Fahrt - 25kn OSO gegen an - 3m Woge mit zwischenlaufender Windwelle -  da half nur die Maschine! Ankunft dort nach 6 Stunden am Abend im Vieux Port unterhalb der Notredame der Segler, Schiffer und Flieger im örtlichen Yachtclubvon Marseille!

Tolle Kulisse - aber Marseille(F) ist auf den ersten Blick eine Stadt mit zwar vielen schönen alten Bauten - jedoch (fast) keinem Grün. Es ist zudem Schweineheiß und wir haben weiterhin viel Wind! Also bleiben wir erst mal! Am Montag dementsprechend Stadtbesichtigung bei 33 Grad im Schatten und Fahrt mit dem Touristenzug  zur Notre Dame – „save your energy -  wie weit sind wir gesunken!!!

Am Dienstag dann auf  zu den Iles de Friaul(F) - ankern im Lee (trotzdem Fallböen bis zu 30kn) und abends in den Inselhafen - top Anlegemanöver bei 22kn Wind schräg von hinten - Crew funktioniert!!

Am Mittwoch dann Kurs Cassis (F) - disponieren angesichts des bevorstehenden Mistrals um und laufen bei 3kn Wind(!!) von West unter Maschine gleich nach Hyeres.

Dort sind wir nun und werden morgen auf die Inseln gehen - die ersten Schnorchelgänge haben wir hinter uns - Stimmung gut - Essen gut (Chris und Susi haben die Pantry übernommen) - Wein schmeckt!!
 Bis bald - wir haben noch über zwei Wochen Urlaub -juhuuu!!!!!!!

So schrieben Skipper und Crew von Bord der S/Y  Relaxis an besagtem 12.08.2004 via Mail an die Daheimgebliebenen, nicht ahnend, dass uns der nun böse losfauchende Mistral erst mal für einige Tage in der Marina von Hyeres festhalten würde. NIX INSEL!!

 

 Dann aber ging’s auf die Ile de Porquerolles (F) und nachdem wir nun drei Tage auf der Ile geurlaubt haben (= schwimmen, zwei Tauchgänge, Schnorcheln, essen und trinken, den Nachthimmel genießen und die Touris bemitleiden, die auf überfüllten Ausflugsbooten auf die Ile gekarrt werden), haben wir heute früh angesichts eines schon wieder bevorstehenden Mistrals die Zelte abgebrochen und sind weiter Richtung Osten gesegelt.

Abgesehenvon einigen Kleinigkeiten – z.B. ein Schäkel war am Groß falsch gesetzt und einer - der von der Großschot -  brach und wurde auf See fachmännisch ersetzt - verlief unsere Reise problemlos. Allerdings hatten wir den Wind, und nicht zu knapp, mal wieder voll auf der Schnauze!! So kreuzten wir bei etwas über 40Grad am Wind auf und kämpften uns gegen 19-22kn OSO langsam voran - Relaxis lief selbst mit nachgeschlepptem Dingi (das ja eigentlich wie ein Treibanker wirkt) über 6 kn (!!!!!!) - nur machten wir angesichts des starken Gegenwindes und des Seegangs (2m sind nicht viel, treiben aber ganz schön quer) kein wirkliches Luv! So hatten wir nach 2 Stunden erst rund 3sm gutgemacht und schon rund 9sm auf der Logge - das hätte für die rund 20sm nach Cavalaire, wo wir nun sind, rund 12 Stunden Kreuz bedeutet und da wir erst m 1145Uhr aus dem Hafen kamen ( meine Crew "pflegt ja bekanntlich den ruhigen Morgen") haben wir uns um 1430Uhr entschlossen, unter Land zu gehen und mit der Maschine weiterzutouren. Das war dann auch richtig so und nun haben wir in Cavalaiare (F)nicht nur einen schönen Liegeplatz, sondern nach drei wasserlosen Tagen ( auf der Ile herrscht Wassernotstand) die Relaxis mal so richtig abgeduscht und vom Salz befreit - das gleiche galt natürlich für die Crew, die zwar immer auf dem Schiff Wasser hatte, aber von der heutigen Kreuz ganz schön gepökelt war. 
Abends gab’s noch Live-Music von einer englischen Bluesband (suuuuuper) und für jeden ‚nen Caipirinha – oh je!!

Erneut war Starkwind gemeldet -  bis 30kn in Böen,die eigentlich keine sind, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass die dann immer da sind!! -  bei südlichen Winden und dann soll wieder Mistral kommen, so dass wir angesichts des für morgen früh angesagten NO Windes, der mal wieder genau auf den Bug pfeifen würden, erst mal hier bleiben.
Zwischendurch könnten sich für die nächsten drei Tage halbtägige Windfenster mit „richtiger“ Windrichtung ergeben - mal sehen.

Jedenfalls werden wir hier erst mal die nächsten Tauchgänge machen, sofern die See mitspielt, da es hier direkt um die Ecke ganz gute Felsen und Riffe gibt, die wir dann mit dem Dingi anlaufen werden. Und ansonsten gilt: UUUUUUUUUUUUUUUUURLAUB!!!!!!!!!!!

Sind dann am Donnerstagabend und damit früher als erwartet bzw. geplant in Frejus, der Marina, wo wir bis 1999 mit unserem früheren Schiff lagen, eingelaufen. Wie das kam - ganz einfach: am Freitag früh kamen die neuen Wetterberichte und danach sollte der Mistral, mit dem wir schon nicht mehr gerechnet hatten, in relativ starker Form doch kommen  - am Wolkenbild und der Wetterklarheit jedoch auch ohne UKW-Bericht schon zu erahnen!

So entschieden wir uns als Alternative zum " Festsitzen in Cavalaire" kurzfristig zum "Fluchtstart Richtung Ost", zumal der Wind  zu diesem Zeitpunkt halbwegs aus südwestlichen bzw. südlichen Richtungen kam und somit günstig für diesen Kurs stand.

Mit Maschine ging es durch die große Bucht von Cavalaire - dann setzten wir Segel (vorsorglich nur Genua und Besan, was sich als richtig erweisen sollte) und segelten bei halben bis raumen Winden um die 18kn wunderschön vor uns hin. Querab vom Tahiti-Beach („Sauf- und Feierstrand der St.Tropezer“) schlief der Wind dann fast ein, um kurz darauf gehörig aufzufrischen. Bei guten 6 Windstärken, nun aus NW (Aha!!) segelten wir querab vom Golf von St.Tropez und weiter östlich die Böen aus und liegen mit wieder über sechs Knoten Speed (wiederum mit nachgeschlepptem Dingi!!) gut im Rennen mit einer anderen Yacht(wie immer - "mehr als ein Segel auf dem Wasser =
= Regatta!!).

Rund 2sm vor Frejus kachelte es dann richtig - der Windmesser zeigte auf 35-40kn scheinbarem Wind - der wahre Wind lag nicht weit darunter - Regatta zu Ende - Segel reffen (Genua weg) und mit Besan und unter Top und Takel auf Frejus zu – dann kurz vor dem Hafen die Maschine an  und -plötzlich begann das Dingi zu fliegen, lag drei Meter hoch in der Luft und tauchte mit dem Bug zuerst ein!! - Also Stopp und Dingi umdrehen) und dann nichts wie ab in die Marina!
Ein wiederum blitzsauberes Anlegemanöver am „Acceuille“ bei 20kn Wind (natürlich wie immer von der falschen, also der Steg-Seite, her) und dann nach der Anmeldung in den hinteren, geschützten Hafenteil!
Klar Schiff und geschafft - Anleger trinken - Schiff entsalzen - Crew waschen - fertig!!!!!!

Am Freitag und Samstag blies es dann aus allen Rohren - mit durchschnittlich 40kn Wind tobte sich der Mistral aus - in Korsika und Sardinien herrschten 9bf, ein " man over board" kam durchs Navtex und am Strand von Frejus war es ob der Sanstrahlerei und nur noch 16 Grad Wassertemperatur leer!! Baden! Brrrrr! Ich dachte, wir sind in der MED – Badewanne!??!

Am Sonntag  war dann der Spuk rum und heute waren Florian und Christopher draußen am
Leon de Mer zu einem Tauchgang - auf rund 20m Tiefe "divten" die beiden dort, wo ich mit Sebastian auch schon oft war und mit ihm meine ersten Tauchgänge vor einigen Jahren absolvierte. Ich konnte leider nicht mit - Montezumas Rache hat mich heut erwischt – bin aber jetzt schon wieder OK!!

Morgen will die Crew ins Wasserrutschenbad - ich wollte mal in unseren neuen (Interims)-Heimathafen Cogolin fahren und dort alles richten, dann einige Arbeiten am Schiff erledigen (hängt ja meist am Skipper) und mich in meiner dritten UUUUUUUUUUUUUUUUUUUUrlaubswoche des Lebens freuen! In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag erwarten wir Korbinian mit dem ersten Teil seiner Crew hier in Frejus - werden dann nach Cogolin segeln und am Freitagnachmittag übergeben. Dann geht’s zurück nach Mainz, wo die "Beste" (hoffentlich) schon sehnsüchtig auf mich/uns wartet!!

Und, wie immer nach dem Urlaub, wartet dann wieder das Business ( ab Montag - oh je!!!!!!!!!!!!! - wieder keiner, der da sagte:“ du bekommst Dein Geld weiterhin und kannst noch zwei Monate länger segeln“ - immer dasselbe!!!)

Alles verlief planmäßig – Korbinian verlebte mit seiner Crew zwei herrliche Segelwochen und hält seitdem den Speedrekord der Relaxis nur unter Segeln mit 7,5kn bei 25kn Wind!!

Im Herbst 2004 und auch an Weihnachten verlebten wir wunderschöne Tage – bei fast immer schönem Wetter und während in Deutschland die Segler von der nächsten Saison träumten und die Yachten aufgebahrt im Winterlagen vor sich hindösten, waren wir noch auf dem Wasser!!

Im Frühjahr 2005 dann die üblichen Jahresarbeiten – Relaxis erhielt zudem ein Epoxy Unterwasser-Gelshield und lag bereits im März wieder im Wasser, bereit für neue Meilen!

Doch dann ……. Saßen die Beste und ich  nach 10 Stunden Autofahrt am Karfreitag des Jahres 2005 des Herrn abends auf dem Achterdeck der Relaxis bei einem Bier, warteten auf Korbinian und Caro ( „ dem seine Beste“) und führten eine folgenschwere Diskussion:

Er    :“ Die Söhne kommen ja nun immer öfter – schön so! Und mit Anhang!“
Sie   :“ Hm“
Er    :“ Wenn die alle immer kommen, dann wird aber die Relaxis langsam zu klein!“
Sie   :“HM??“
Er    :“ Du kennst doch die Caipirinha vom Thomas…“

Und jetzt lest ihr am besten weiter auf der Website www.sy-caipirinha.de  - viel Spaß!!